12.09.2012

Logistiker in Panik vor dem Mindestlohn

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Erschüttert zeigte sich der Präsident der Zeitungsverleger, Helmut Heinen. Auslöser war der Vorschlag aus dem schwarzen Regierungslager für eine Lohnuntergrenze. Es gebe gute Gründe, so Heinen, dass "nach Stücklohn und nicht nach Stundenlohn" bezahlt werde. Für Zeitungszusteller bestünden "hohe Freiheitsgrade bei ihrer Tätigkeit". Der Zwang zur Stundenüberwachung sei "grotesk" und ein "Bürokratiemonster".

Was für eine Aufregung! Aufgepasst, Kollegas, die Freiheit wird jetzt auch morgens um drei mit dem Zeitungswagen verteidigt! Dabei könnten Verlage beim Stundenlohn viel Arbeit und Aufwand sparen. Man denke nur an die uferlosen und undurchsichtigen Abrechnungen, die den Münchner Zusteller/innen ins Haus flattern! Der Stücklohn hat freilich einen  unschätzbaren Vorteil für die Zeitungsverlage: Er verlagert das unternehmerische Risiko auf die Arbeitnehmer. Denn beim Stücklohn legen Zusteller/innen bei jeder Kündigung drauf. Einfach deshalb, weil der Zeitaufwand nicht wesentlich geringer wird, ob man nun 100 oder 90 Zeitungen zustellt - der Lohn aber schmilzt gleich um 10 % dahin.


Und dann, verehrte Logistiker: Geht nicht, gibt´s nicht! Schließlich schafft das die gelbe Post auch - und dann wurde ja auch für richtig viel Geld genau dafür das Sabris-System gekauft!

Kommentare:

  1. Es tut mir furchtbar leid, aber mit Stücklohn denke ich fahren wir besser als mit Stundenlohn.
    Das gilt selbstverständlich nur mit den alten Verträgen!!

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    1. @ Anonym: Wir haben deinen angefügten Hinweis rausgenommen. Ist öffentlich verbreitet momentan zu brenzlig.

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    2. @ Redaktion: Leider habt Ihr recht! Es ist traurig das man heutzutage nicht mehr aussprechen darf was man denkt. Unseren Betriebsräten wird auch jedes Wort verdreht wieder gegeben. Schade das es nicht mehr möglich ist seine ehrliche Meinung kund zu tun!

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    3. @Anonym: Man darf schon alles sagen (nur nicht immer in jeder Tonlage) - aber manchmal ist es besser, nicht alles zu sagen ;-)

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  2. Der Meinung bin ich auch. Für hauptberufliche Zusteller mit altem Vertrag und Feuerwehrzulage müsste der Stundenlohn schon sehr hoch sein um auf das gleiche Gehalt zu kommen.Den Wieviel Zeit man pro Tour benötigt wird wohl Sabris festlegen.

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  3. Die Demographie ist hier das geringste Problem, damit haben irgendwann alle Branchen zu kämpfen! Der Umgang mit dem Personal ist das Entscheidende. Wenn Sklavenhaltermethoden für richtig erachtet werden, dann muß man sich nicht über das Chaos wundern. Jeder Betrieb ist nur so gut wie sein schlechtester Mitarbeiter und der dazugehörige Chef. Wenn beide ganz schlecht sind und den Laden gemeinsam nicht wuppen können, kommt ein schlechtes Produkt, in unseren Fällen hier, schlechte Qualität dabei heraus. Aber wie man hier im Blog so liest, ist ja augenscheinlich eine Verbesserung egal wo , auf Dauer, nicht erwünscht. Sonst würde man anders agieren.
    Hut ab, vor denen, die jeden Morgen , zu welcher Jahreszeit auch immer, die Zeitungen an den Kunden bringen. Schmach über die, die die Leistungen in welcher Form auch immer,nicht honorieren wollen.

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  4. 5 - 6 Euronen ist doch echt eine fürstliche Entlohnung; bei LWP Ruhrnachrichten und Münstersche Zeitung kommt man mit viel Glück auf 3,50 - 4 Euro. Das Problem ist, irgendein Dummer findet sich leider immer - und wenn's nur für 4 Wochen ist, aber dann ist man ja schon mal wieder einen Monat weiter...:_)))

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